arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagrammailmenueminusplusprintsearchsoundtarget-blanktwitteryoutube

Positionen

Inklusion

Anlass und Verpflichtung zur Schaffung eines inklusiven Schulsystem war die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen und ihre Gesetzeskraft in Deutschland (Februar 2009).

Darüber hinaus entsprechen die mit seiner Verwirklichung verbundenen Strukturveränderungen und inhaltlichen Ausgestaltungen den Zielen einer sozialdemokratischen Bildungs- bzw. Schulpolitik.
Die inklusive Schule ist die Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu gleichberechtigter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und zur Verwirklichung ihrer individuellen Lebensziele zu befähigen.

Die inklusive Schule anerkennt die Verschiedenheit der Kinder, niemand wird auf aufgrund seiner Behinderung, seiner sozialer Herkunft, seines Lernstandes bzw. Lernverhaltens ausgegrenzt. Jegliche Diskriminierung muss verhindert werden.

Der wertschätzende Umgang mit der Heterogenität ist eine wichtige Erfahrung für die Schülerinnen und Schüler und wird damit zu einem entscheidenden Baustein für eine solidarische Gesellschaft. Insofern ist eine inklusive Schule Ansatz und Strukturmerkmal für ein demokratisches Bildungssystem.

Gemeinsames Lernen mit der Anerkennung individueller Besonderheiten verlangt ein differenziertes Lernangebot mit dem gleichzeitigen Blick auf den Einzelnen und die soziale Gruppe.

Perspektiven: Eine inklusive Gesellschaft ist dem Prinzip der Gleichheit verpflichtet und muss damit die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen, unabhängig von sozialer und kulturell-ethnischer Herkunft, Geschlecht oder Beeinträchtigungen sichern.

Die inklusive Schule ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und verbunden mit strukturellen und inhaltlichen Veränderungen unseres Schulsystems.

Alle allgemeinbildenden Schulen sind verpflichtet, inklusiv zu arbeiten. Sie nimmt alle Schüler auf, weist niemanden ab. Sie steht damit im Widerspruch zu dem traditionellen gegliederten deutschen Schulwesen.

Die inklusive Schule findet in einem inklusiven Schulsystem statt, d.h. es gibt keine speziellen Schulen für Inklusion, während andere unverändert ihre bestehenden Strukturen bewahren.

Eine inklusive Schule ist nicht für Kinder mit Beeinträchtigungen geschaffen, stellt keine "moderne Form" einer Förder- oder Sonderschule dar, auch wenn sie für Kinder mit Förderbedarf durch Organisation und inhaltlicher Ausgestaltung bestehende Ausgrenzungen und Diskriminierungen aufhebt und damit für sie von großer Bedeutung ist.

Für jede inklusive Schule mit ihrer veränderten Schülerschaft ist ein zielgerichteter Schulentwicklungsprozess notwendig, der systematisch Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung für ein gemeinsames Lernen verwirklicht.

Die Veränderungen der Arbeitsweisen und -bedingungen in den Schulen können nicht nur von den in der Schule handelnden Personen geleistet werden.

Eine wissenschaftliche Begleitung wie seiner Zeit bei der Einführung der Integrationsklassen ist notwendig, um langfristig praxisnah die Problemfelder und Lösungsansätze zu bestimmen.

Zusätzlich sollten weitere Kooperationen mit Trägern zur Förderung non-formaler Bildung geschlossen werden.

Mit dem Wandel zu einer inklusiven Schule ist letztlich ein Paradigmenwechsel im Verständnis von Schule verbunden: von der Defizitorientierung - das können sie nicht - zum individuellen Kompetenzerwerb - das sind seine/ihre nächsten Lernschritte-.

Nicht mehr der Gleichschritt in den Fächer, sondern Lernstand und -vermögen jedes Einzelnen werden bestimmend für den Unterricht, ohne geltende Rahmenbedingungen und externe Anforderungen aus dem Blick zu verlieren.

Um auf diese Herausforderung zu reagieren, braucht es verpflichtende Fortbildungen für für alle an den Schulen Beschäftigten. Dazu gehören insbesondere Verfahren zur Diagnostik, Methoden zur Förderung und der Umgang mit Heterogenität. Die zusätzlich benötigte Fortbildung wird Teil der Arbeitszeit.

Außerdem bedarf es der nachhaltigen, inhaltlichen und strukturellen Verankerung der Inklusion in der Ausbildung, im Studium und Referendariat. (Lehrerbildung für Schulstufen; siehe Ute Erdsiek-Rave: Schulreform im Spannungsfeld von Schulreformen und Inklusion 2014.)

Eine inklusive Schule benötigt multiprofessionelle Teams, die fachliche, sonder- und sozialpädagogischen Kompetenzen vereinen. Eine enge und abgestimmte Zusammenarbeit der unterschiedlichen Professionen ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit in inklusiven Klassen. Die dafür notwendige Zeit muss auch bei der Berechnung der Arbeitszeit berücksichtigt werden.

Die inklusive Schule ersetzt weitestgehend Förder- und Sonderschulen. Insbesondere für die Förderschwerpunkte Lernen, Sprache, soziale und emotionale Entwicklung sollte es in Zukunft keine gesonderten Schulen mehr geben. Dabei wird nicht auf die sonderpädagogische Kompetenz verzichtet, sondern die Entwicklung an den Schulen zeigt vielmehr, dass diese Profession verstärkt an diesen benötigt wird.

Dies geschieht auch durch kritische Bildung zur Entwicklung mündiger Menschen in einer demokratischen Gesellschaft.

Ganztagsschule

Sozialdemokraten treten für die Ganztagsschule ein. Sie ist gut für Kinder, weil in ihr das bisherige kompakte Vormittags-Lernen aufgebrochen wird. Der Bio-Rhythmus des Kindes ist eben nicht "erst die Arbeit (6/7 Unterrichtsstunden) - dann das Spiel (oder die Hausaufgaben oder individuelle Neigungsangebote)". Die Ganztagsschule ist gut für Eltern, weil sie ihnen eine sichere Berufstätigkeit ermöglicht. Sie ist gut für uns alle, weil Schule für unsere Kinder mehr sein soll als ein gemeinsamer Lernort, den man nach konzentrierter Arbeit möglichst schnell verlässt. Und schließlich ist die Ganztagsschule internationaler Standard, reduziert klassische Hausfrauen-Rollenbilder und eröffnete gerade der kommenden Generation gut ausgebildeter junger Frauen eine Entscheidung für Beruf und Familie ohne schlechtes Gewissen.

Die AfB setzt sich für eine Ganztagsschule an fünf Wochentagen von 8 bis 16 Uhr ein bei angemessener Mittagpause und vorbildlich zubereitetem Essen - flankiert von Betreuungszeiten vorher oder danach je nach Bedürfnis der einzelnen Familien.

Zur Situation in Hamburg

Die Ganztagsschule ist in Hamburg anerkannt und verfügt über eine breite politische und gesellschaftliche Akzeptanz weit über Parteigrenzen hinweg. Anfängliche Bedenken einzelner Beteiligter bei der Umwandlung von einzelnen Schulen sind i.d.R. kurze Zeit nach Einführung zerstreut. Der durch den SPD geführten Senat geplante flächendeckende und gleichwohl behutsame Ausbau des Ganztagsschulwesens in den Grundschulen sowie den Stadtteilschulen und Gymnasien entspricht dem gesellschaftlichen Wandel unserer Gesellschaft und den Bedürfnissen nach mehr Möglichkeiten der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler. Dabei wird es nicht um Zwang, sondern um Angebote gehen: Allen Eltern und Kindern sollen Ganztagsschulen in der Nähe bereit stehen. Gerade in der Grundschule wird es mit dem sehr stark nachgefragten GBS-Modell eine flächendeckende Versorgung der gesamten Stadt innerhalb weniger Jahre geben mit anschließender Option für die Entwicklung zur Ganztagsschule in gebundener oder teilgebundener Form geben. Der Ganztags-Ausbau in der Sekundarstufe soll parallel zügig vorangebracht werden, ebenfalls in den Formen teilgebunden sowie gebunden. Nur diese beiden Formen sichern im Übrigen ein dem Bio-Rhythmus des Lernens angemessenes Angebot, bei dem Konzentration und klassisches Lernen mit Entspannung, Neigung, Übung Sport und Spiel sich über den Tag hin abwechselt.

Ganztagsschule ist nicht nur Lehrersache

Die Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen soll als Strukturmerkmal des Hamburger Ganztagsschulsystems für alle Ganztagsschulen festgelegt und schrittweise entwickelt werden. Personal ganz unterschiedlicher Ausbildung und Profession wird neben den Lehrern in der Ganztagsschule arbeiten, aber nicht nebeneinander her, sondern in einem gemeinsamen Kollegium und unter einer gemeinsamen Leitung. Lernen außerhalb des Schulortes wird eine größer werdende Rolle spielen. Eltern und Schüler müssen in die Gestaltung der Ganztagsschule mit eingebunden sein.

Was ist noch zu tun?

Es wird eine Qualitätsoffensive gestartet und ihre Überprüfung im Rahmen einer veränderten Schulinspektion bei fachlicher Unterstützung durch Schul- und Jugendbehörde sicher gestellt.

  1. Ganztagsschul-Koordinatoren werden als Teil der Schulleitungs-Teams geführt.
  2. Alle beteiligten Berufsgruppen und Institutionen müssen entsprechende Kooperationsressourcen in ihren Arbeitsplatz- und Aufgabenbeschreibungen erhalten.
  3. Die Ganztagsschulen müssen neben den Unterrichtsräumen und Mensen hinreichend Fläche für Rückzug und Entspannung, Spiel und Freizeit sowie für ihr ganztätig beschäftigtes Personal angemessene Still-Arbeitsplätze vor Ort bereitstellen.
  4. Die Ganztagsschulen müssen in den sozialräumlichen Gremien vor Ort eingebunden und in ihnen vertreten sein.

Berufliche Bildung

Auch in Hamburg gab es in der Vergangenheit eine erhebliche Anzahl von Jugendlichen, denen der Übergang von der Schule in eine duale Ausbildung nicht gelang. Andererseits wird auf dem Arbeitskräftemarkt ein Rückgang von gering qualifizierten und eine Zunahme von hoch qualifizierten Tätigkeiten prognostiziert, die ein Hochschulstudium oder eine Ausbildung auf Fachschul- oder Meisterniveau voraussetzen. Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) setzt sich daher für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Beruflichen Bildung in Hamburg hinsichtlich der beruflichen und gesellschaftlichen Integration junger Erwachsener und einer Gemeinwohlorientierung sowie für eine Vermeidung von sozialer Ausgrenzung und eine Hebung des Bildungsniveaus ein.

Aufgabe der berufsbildenden Schulen ist hierbei die Vermittlung von Handlungskompetenzen, um damit die Jugendlichen zur aktiven Teilhabe am Arbeitsleben und in der Gesellschaft zu befähigen. Die AfB unterstützt daher die Reform der Beruflichen Bildung in Hamburg, die eine Verbesserung des Überganges von der Schule in den Beruf und der Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen anstrebt. Weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung werden begrüßt. Obwohl die Berufliche Bildung in Hamburg überwiegend schon inklusiv angelegt ist, gibt es insbesondere in der Ausbildungsvorbereitung Bildungsgänge, die speziell für Behinderte konzipiert sind. Die AfB regt an, auch hier inklusive Konzepte zu erproben und danach flächendeckend einzuführen.

Reform des Überganges von der Schule in den Beruf

Eine Verstetigung der Berufsorientierung in den Allgemeinbildenden Schulen und eine angemessene Zusammenarbeit der Stadtteilschulen und der Gymnasien mit den Beruflichen Schulen soll den Übergang erleichtern. Da dieses eine notwendige Bedingung für einen erfolgreichen Übergang ist, erwartet die AfB deshalb auch von den Allgemeinbildenden Schulen erhebliche Anstrengungen in diesem Bereich. Für noch nicht ausbildungsfähige Jugendliche (also für Jugendliche, die die für die Ausbildung erforderlichen Kompetenzen noch nicht erworben haben) wird eine neue Ausbildungsvorbereitung (AV dual) vorgehalten, bei der ein hoher Anteil der Ausbildung in Betrieben stattfindet. Eine aufwachsende Berufsqualifizierung, bei der für das erste Jahr der Ausbildung die Berufsschule verantwortlich ist und die dann im zweiten Jahr in eine duale Ausbildung mündet, ermöglicht marktbenachteiligten Jugendlichen (also ausbildungsfähige Jugendliche, die wegen fehlender Angebote auf dem dualen Ausbildungsmarkt keinen Ausbildungsplatz erhalten haben) einen Einstieg in eine duale Ausbildung. Daher wird die teilqualifizierende Berufsfachschule mit ihrer Warteschleifenfunktion in HH nicht mehr benötigt. Wünschenswert wäre oftmals ein noch stärkerer Beitrag der Betriebe zur Ausbildungsfähigkeit der jungen Menschen. Sowohl für AV dual als auch für die Berufsqualifizierung wird eine entsprechende Begleitstruktur angeboten. Zudem soll in Hamburg eine Jugendberufsagentur die Aktivitäten verschiedener Institutionen bei der Beratung und Begleitung von Jugendlichen bündeln.

Verbesserung der Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen

Die Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen soll dadurch ermöglicht werden, dass während der dualen Ausbildung und der beruflichen Ausbildung in einer vollqualifizierenden Berufsfachschule als Zusatzqualifikation die Fachhochschulreife erworben werden kann. Für Absolventen einer dualen Ausbildung, die die Allgemeine Hochschulreife anstreben, wird auch in Hamburg die Berufsoberschule eingeführt. Die AfB bekennt sich zur dualen Ausbildung und zum dualen Studium mit einer angemessenen Anrechnung von in der dualen Ausbildung erworbenen Kompetenzen.

Weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung

Letztlich müssen sich alle strukturellen Maßnahmen daran messen lassen, inwieweit sie zu einer Verbesserung des Kompetenzerwerbes bei den Lernenden führen. Daher setzt sich die AfB dafür ein, dass das individualisierte Lernen weiterentwickelt wird und durch entsprechendes Fördern Wiederholungen vermieden werden. Auch im Berufsbildungssystem sollte die Sprachförderung intensiviert werden. Wenn eine nachhaltige Umsetzung der angestrebten umfangreichen Reformen gelingen soll, muss eine angemessen konzipierte Qualifizierungsoffensive implementiert werden, die zu einer Weiterentwicklung der Kompetenzen der Lehrkräfte und der Sicherung des Führungskräftenachwuchses führt.

Eine Schulentwicklungsplanung der Berufsbildenden Schulen sollte sowohl die Standortstruktur, die Entwicklung der Schülerzahlen, die Trends der Fachkräfteentwicklung, die Größe und Funktionalität von berufsbildenden Schulen, das Fachberufsschulprinzip sowie die Clusterbildung in HH berücksichtigen als auch die Trends der Unterrichtsentwicklung und die Weiterentwicklung der "Selbstverantworteten" Schule mit im Blick haben.